Es ist wieder September und ich werde wieder sehr nachdenklich und blicke zurück. Vor einem Jahr standen Denise und ich kurz vor der Abreise aus Japan und in einem Jahr stehe ich wieder vor der Abreise- dann wieder zurück nach Japan.
In diesem Jahr ist vieles geschehen, nichts was man als spektakulär nennen würde- eher vielleicht melancholisch. In meiner Familie hat sich soviel geändert, dass ich sie manchmal nicht mehr wieder erkenne, auch bei meinen Freunden. Dinge, die mich traurig machen, aber vielleicht zum Erwachsenwerden dazu gehören. Bislang haben mir meine Freundinnen voll und ganz gereicht, aber mittlerweile sehne ich nach einem *lach* Gefährten. Einfach weil ich das Gefühl habe, dass Freundinnen sich irgendwann mehr dem Partner anschließen und man als Freundin außen vorsteht. Dasselbe passiert auch mit Geschwistern. Das einzige was einem bleibt sind die Eltern- bis auch sie fort sind und evt. Haustiere. Meinen Bruder habe ich auch 'verloren' als er geheiratet hat- nur dass das nicht so schlimm war. Da er 8 Jahre älter ist als ich, und dazu ein Junge, hatten wir jetzt nicht so das gaaaanz enge Verhältnis, sondern ein normales. Außerdem meldet er sich noch ab und an- alle Jubeljahre wie man sagt- aber immerhin ^^. Dieses Jahr hat meine Schwester auch jemanden gefunden und ist seitdem verschollen kann man sagen. Sie meldet sich gar nicht mehr, ist arrogant unserer Mutter gegenüber und ruft nur an, wenn unser Vater sie zu ihm fahren soll- er wohnt etwas außerhalb- noch. Sie ziehen jetzt auch zusammen. So den superengen Kontakt hatten wir seit paar Jahren schon nicht mehr, aber ab und an sah man sich noch. Jetzt ist es als ob ich keine Schwester mehr habe. Vor allem meine Eltern leiden darunter.
Dazu kommt noch, dass sich meine Freundinnen nur noch selten melden seit ich zurück bin. Und die beiden die es noch tun (meine Unifreundinnen sind ne andere Schiene, die meine ich jetzt nicht) tun mir unabsichtlich auch oft weh. Ich hab anscheinend das Pech, dass meine engsten Freundinnen immer totale Familienmenschen sind/waren, während ich schon lange nicht mehr geborgen in der Familie bin und Freunde an erster Stelle standen. Früher hat es mich nie so gestört, wenn sie keine Zeit wegen Familientreffen hatten, da hab ich mit anderen Freunden anderweitig was gemacht oder mal nen Abend allein verbracht. Jetzt erinnert es mich nur daran, was ich nicht habe und nie haben werde und das tut weh.
Vielleicht ist es gut so, damit ich dann nichts mehr habe, was mich hält wenn ich hoffentlich nach dem Studium nach Japan auswandern kann- abgesehen von meinen Eltern, aber die werden immer älter. Meine Mutter ist jetzt 70 geworden. Ich hab früher sie Angst gehabt dass was passiert, jetzt schon, während meine Geschwister da ganz relaxt sind. Irgendwie verkehrte Welt. Nun ja ich bin wohl auch die, die am meisten Zeit mit den Eltern verbracht hat und trotz allem am meisten an ihnen hängt. Weiß ist eigentlich total blöd, 70 ist heute kein Alter und sie sind beide putzmunter und gesund.
Ich muss wahrscheinlich über meinen Schatten springen und mich trauen endlich alleine zu schreiben, denn das ist das Einzige, wo ich wirklich glücklich bei bin. Anderes macht mir auch großen Spaß, aber Schreiben ist mein Leben. So wie für Andere Musik oder Malerei.
Und muss gestehen ich hätte gern wieder ein eigenes Haustier. Mein Kater hat sich doch recht entfremdet als ich weg war und nur noch bei meinen Eltern. Amadeo und Norma sowieso. Und ich vermisse das, jetzt mehr denn je, dass wenigstens jemand auf einen wartet und zu einem kommt. Aber will meine Eltern nicht damit belasten, wenn ich wieder in Japan bin. Für das Studienjahr und am Anfang, sollte ich da wirklich arbeiten können, kann ich kein Tier mitnehmen.
Les grad mal wieder Ayla und muss an den von mir oft zitierten Satz denken, dass ein mächtiges Totem große Opfer und Prüfungen verlangt, aber auch ebenso viel gibt. Vielleicht ist dies eine weitere Prüfung... mein Totem ist vergleichbar mit Aylas Höhlenlöwen ;).
Was mich tröstet und aufmuntert sind meine Dolls. Denn sie sind fleischgewordene (oder besser resingewordene) Figuren aus meinen Geschichten und damit hab ich etwas vom Schreiben stets bei mir, auch ohne zu schreiben.
So zum Abschluß ein traumhaft schöner Song, auch sehr traurig, aber passt zu meiner bittersüßen Stimmung.
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